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Grenzenlos!

am Di März 20, 2018 11:40 am
Als Freigeist der Herde verbrachte der kräftige Schimmel seine Zeit meist allein, weit ab von den bekannten Gesichtern. Er kannte jeden Strauch, jeden Baum, jeden Felsen und all die Höhlen die dazwischen lagen. Manche Landstriche vermied er gänzlich, weil er wusste, das es dort nichts zu sehen gab. Er kannte die anderen Tiere der Insel, jedes mit Namen und wusste, wie es vielen ging oder was viele dachten. Selbst mit den Möven konnte er sagen, hatte er ein gutes Verhältnis. Möven die die Insel verließen um dann ohne neue Erkenntnis zurück zu kehren oder für immer verschollen blieben. Nur heute, da hatte ihm Agra bereits in der Morgendämmerung geweckt. "Land ins Sicht, Land in Sicht!" der bunte Papagei hatte ihm wild um die Ohren geflattert und war dann selbst wieder verschwunden.
Aurelius aber war hellwach geworden. Er Papagei neckte ihn gern, aber dieses mal war er so aufgeregt gewesen, das es kein Scherz sein konnte. Von Süden war der Vogel gekommen und eigentlich wollte Aurelius heute zurück zu den Südhängen, zurück zu seiner Herde. Aber jetzt drehte er wieder ab und trabte Richtung Meer. Konnte es wirklich sein? War dort wirklich neues Land aufgetaucht? Es hatte schon manchen Felsen gegeben der die Insel gerammt hatte, aber meist verschwanden sie nach einigen Tagen schon wieder. Aber vielleicht war diesmal wirklich etwas neues auf sie gestoßen?
Aufgeregt warf er seine Hufe in einen Galopp. Der Sand spritze hinter ihm, während er tiefe Spuren hinterließ. Der Wind der See warf sich ihm entgegen und wirklich roch die Luft heute anders als sonst. Wärmer war sie. Und tatsächlich, als er die erste hohe Düne erklomm erblickte er sie. Eine Insel in sattem orange und sanfte wogende Sandberge türmten sich darauf und verbargen das Inland von seinem Auge. Eine Wüste, wie er sie nur aus den Geschichten der alten Araber kannte. Er parrierte durch und überlegte, ob er sofort umdrehen sollte um die anderen davon zu Informieren, aber sein schlagendes Herz und die Neugierde zogen ihn weiter und halb laufend halb rutschend suchte er sich seinen Weg über die verwachsenen Dünen ehe seine Hufe über den Sandstrand donnerten. Den Blick konnte er nicht mehr von der neuen Sensation abwenden. Eine Insel. Eine wahrhaftige Insel. Ob es Leben auf ihr gab? Ob es einen Weg gab hinüber zu kommen? Das Meer leckte sanft am Strand, so wie auch sonst ohne große Gier.
Er blieb stehen und starrte stumm und voller Staunen und dann entdeckte er etwas anderes. Am Strand, nicht weit von ihm, lag ein Körper, ein Pferd wie er, aber keines, das er jemals zuvor gesehen hatte. Er preschte erneut los um schnell dorthin zu kommen und erkannte die rotbraune Stute, die schwer atmend halb im Wasser und halb im Sand lag.
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Re: Grenzenlos!

am Do März 22, 2018 2:02 pm
Sie konnte nicht unterscheiden zwischen dem Rauschen der Wellen und ihrem Blut in den Ohren. Ihr Körper hatte aufgehört zu zittern und es kam ihr so vor als wäre sie schon Stunden hier an diesem fremden Strand. Die Ereignisse der letzten Wochen hatten sie ausgelaugt. Der Tod ihres Geliebten hatte sich in ihr Gedächtnis geprägt. Sie vermisste ihren Vater, den sie nicht einmal verabschieden konnte. Sie wusste nicht einmal, was letztendlich mit ihm passiert ist, nachdem er die Augen geschlossen und seinen letzten Atemzug getan hatte. Alles war plötzlich nur noch schwarz. Unheilvoll. Ihre geliebte Heimat war plötzlich ein Ort der Angst geworden. Und gerade, als sie aufgeben wollte, da erschütterte die Insel ein starkes beben. Urplötzlich führte ihr Weg sie zum Strand und als sie die Vulkane vor sich erblickte gab es kein Halten mehr. Sie hatte die Wahl einem Tyrannen zu dienen, in Einsamkeit zu sterben oder zu fliehen. Und sie floh mit der Drohung im Nacken, das sie sterben würde, wenn ihre alte Herde sie in die Finger bekam. Wegen der Ehre des Blutes. Aber sie spuckte nun darauf. Für sie hatte das Leben auf Flamare keinen Wert mehr und selbst ein Verbannung wäre nun egal, denn vor ihr erstreckte sich eine Insel voller Hoffnung.
Sie musste ein gutes Stück schwimmen, ehe sie wieder sandigen Boden unter den Hufen hatte. Und sie kämpfte sich durch das Wasser, immer weiter voran, zitternd vor Erschöpfung um ihrem Schicksal zu entgehen. Der Wüstenwind entglitt ihr und irgendwann da hatte sie das Ufer erreicht. Sie bettete ihren Körper auf dem weichen, warmen Sand, kühler als der von Zuhause, und viel weicher. Und sie wartete.
Und dann plötzlich hörte sie das platschen von Schritten und witterte den Geruch eines Hengstes. War ihre Freiheit schon so schnell verloren? Hatte jemand sie gesehen, als sie floh? Mühsam zwang sie ihre Beine unter den Körper, um sich aufzuraffen. Sie wollte nicht verloren sein. Sie wollte kämpfen und weiterleben. Aber so sehr ihr Kopf auch ihren Hufen befahl sich zu erheben, so schwer lastete der Körper darauf. "Fort!" schrie sie "niemals werde ich zurück kehren, niemals!" und sie hatte bereits zum nächsten Satz Luft geholt, da schwieg sie als ein Schimmel vor ihr stand, so fremdartig wie die Insel selbst. Kräftig gebaut mit breiten Schultern.
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Re: Grenzenlos!

am Do März 22, 2018 2:42 pm
Noch immer überrascht über seinen Fund und die Entdeckung der Insel starrte Aurelius mit seinen dunklen Augen zwischen der roten Stute und der sandigen Insel hin und her. Die zierliche Stute schrie ihn an, ohne ihn wirklich anzusehen, ihr Körper wurde ruhiger, aber ihr Bemühen aufzustehen, wurde von müden Beinen enttäuscht. Zum ersten mal in seinem Leben hatte Aurelius etwas unglaubliches zu berichten und sein Herz machte einen Satz. Die Panische stimme der Stute zwang ihn dazu, schnell zu handeln, denn keines Falls wollte er ihr Angst machen. "keine Sorge, du musst nicht zurück!" beteuerte er und trottete einen Bogen um sie herum, abstand haltend um ihr keine Angst zu machen, denn scheinbar saß ihr diese im Nacken. "Ich bin Aurelius, ich wohne auf dieser Insel seit ich denken kann und ich kann dir sagen, im Augenblick bist du wohl sicher!" er hatte den Kopf zu Boden gesenkt, die Ohren neugierig in ihre Richtung gespitzt. Fröhlich wackelten sie, während er ihren schlanken, zierlichen Körper betrachtete. "Du bist anders!" brachte er hervor. Die Wellen des Meeres spielten mit ihrem feurig roten Langhaar das seidig und glatt auf der Oberfläche schwang. Es war eine fast kindliche Feststellung, aber es war genau das, was dem Schimmel im Kopf umging. Sie war eine gänzlich Fremde und nie vorher in seinem Leben hatte er ein anderes Pferd außer denen seiner Herde und die wenigen abtrünnigen gesehen. Es war nicht schwer zu verknüpfen, das die Vollblütige Stute wohl von der Insel gekommen war. "Du kommst von da drüben? fragte er ungläubig und doch voller Abenteuerlust, denn wenn sie hier her kommen konnte, könnte er vielleicht dort hinüber. "Gibt es dort mehr von dir?" so viele Fragen schossen ihm durch den Kopf "Warum willst du nicht zurück?" er konnte sie unmöglich als Bedrohung sehen in ihrem kleinen Körper. Wie sie da lag im Sand, erschöpft und durchnässt unfähig sich zu bewegen...
Gott was tat er da nur? Schockiert über sich selbst kam er noch einen Schritt auf sie zu "Bist du verletzt? Brauchst du Hilfe? Dir kann nichts passieren, ich pass darauf auf, versprochen!" das war das mindeste was er tun konnte. Er wollte sie gerne mit sich nehmen, zu seiner Herde. Dort konnte sie sich erholen. Aber zum Südhang war es ein gutes Stück und ihr Zustand war fragwürdig. Über die Dünen hinweg, zu den Hügeln, hinauf zur Mitte des Vulkans? Das war ein gutes Stück. Allerdings könnte sie sich dort in Ruhe erholen, ohne vor den Abtrünnigen angst haben zu müssen, oder den Wölfen die hier ebenso Wurzeln hatten.
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Re: Grenzenlos!

am Sa März 24, 2018 10:12 am
Fatima hatte die Hufe unter den Körper gezogen, den Kopf eingezogen wie eine Schildkröte und die Augen zusammen gepresst aus Angst ein Hengst könnte ihr gleich die Zähne in den Mähnenkamm rammen um sie an den Haaren nach Hause zu zerren. Obwohl diese Insel wohl nie wieder ein Zuhause für sie werden würde. Sie erinnerte sich noch, als in den letzten Wochen ihr Leben so schön war, voller Licht und Wärme, und nun spürte sie nur noch das kalte Salzwasser, das ihr den Rücken hinaufkroch. Sie zuckte zusammen, als die Stimme eines Fremden an ihre Ohren klang und die angelegten Ohren zuckten vorsichtig. Keiner von seinen Untergebenen? Erleichtert viel die Spannung von ihm ab und die Worte des Schimmels, auf den sie schließlich Scheu einen Blick erhaschte, ließen sie wieder atmen.
Verwirrt sah sie ihn an, als er anmerkte das sie "anders" wäre, dabei war er doch der Brocken von einem Pferd?
Er hatte so viele Fragen und sie nickte auf die erste, und auf die zweite unfähig selbst zu sprechen. Ohre Stimme war fort und warum sie nicht zurück wollte konnte sie nicht sagen, stattdessen trieb es ihr die Tränen in die Augen. Schließlich hörte er auf die falschen Fragen zu stellen und nun schüttelte sie verneinend den Kopf. "Es geht schon!" sagte sie müde, mit zittriger Stimme. Sie musste seinen Worten nun glauben und nickte dankbar über das Angebot, das er nun aufpassen würde. Konnte er das denn? Sie würde sich wohl überraschen lassen müssen. Es brauchte noch einen Moment, ehe ihre Beine es endlich zuließen das sie ihren schlanken Körper wieder darauf stützen konnte und mit einem Satz erhob sich die vollblütige Stute aus dem Sand. Breitbeinig stand sie da, um das Gewicht besser zu balancieren und schließlich fand sie wieder fester zu ihrer Stimme. "Ich bin Fatima, Tochter des roten Gottes Royal Flash und Pamina der Schönen!" aber wahrscheinlich wusste er davon nichts. Woher sollte er ihre Familienbande auch kennen? Der Gedanke an ihren toten Vater machte es nicht besser. Und der Gedanke an ihren geliebten, der ebenso tot war ließen erneut die Tränen über ihre Ganschen laufen. "Ich muss hier weg, bevor sie mir nachkommen!" und sie war sich sicher, das sie es tun würden...
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Re: Grenzenlos!

am Di März 27, 2018 9:41 am
Es dauerte eine kurze Weile, bis sich die Fuchstute Worte fand. Sie war wirklich anders, denn sie stellte sich vor, als ob er der Fremde hier wäre. Dennoch lächelte er, auch wenn er keine Ahnung hatte von wem sie da sprach. Er betrachtete sie, wie sie sich auf ihre dünnen Beine schwang. Sie waren so zierlich, wie kleine Äste, so anders als seine Familie. So verschieden, als würde er sein Gegenteil vor sich sehen. Nickend bestätigte er ihre Bitte zu gehen. "Ich kann dich zu meiner Herde bringen?" bot er an. Ihre trauer konnte er nicht von ihr nehmen "Dort gibt es ein paar Stuten, die sich deiner annehmen können, und niemand wird es wagen sich dir zu nähern, wenn du erst einmal aufgenommen worden bist!" er lächelte zuversichtlich. Das war etwas, das die Herde ausmachte. Jeder trug einen Teil dazu bei, der Herde zu dienen. Sammler, Sucher, Kämpfer, Späher,... es gab viele Möglichkeiten. Er selbst war Kundschafter und zum ersten Mal seit Jahren gab es etwas neues zu entdecken.
Verstohlen blickte er über die Schulter zurück auf die Insel mit dem roten Sand, der ihm wärmend entgegen lachte. Eines Tages, das schwor er sich, würde er sie betreten und sehen, was sie zu bieten hatte. Vielleicht würde die Stute ihm ein paar Dinge erzählen, bevor es soweit war.
"Hast du denn etwas schlimmes getan, das du geflohen bist?" wollte Aurelius nun wissen. Es wären die gleichen Fragen die auch die drei Hohen ihr stellen würden. Er glaubte nicht das etwas so zierliches etwas böses hätte tun können, und dennoch wollte er sich darauf gefasst machen sie im Notfall verteidigen zu können. "Die anderen werden dich mit Fragen löchern, gerade die jüngsten!" prophezeite er mit einem breiten Lächeln. Er setzte einen langsamen Schritt an und zog Richtung Norden, auf die Dünen zu hinter denen der Südhang des Vulkans sich in der Sonne spiegelte. Es war noch kühl aber der kalte Winter war längst vergangen. Wer hätte gedacht das der Frühling eine Wüstenblume bringen würde?
"Auch wenn deine Beweggründe hier her zu kommen nicht sehr positiv für dich sind, freut es mich sehr deine Bekanntschaft zu machen!"
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Re: Grenzenlos!

am Fr Apr 20, 2018 3:03 pm
Welche Wahl blieb ihr schon? Sie war allein. Zum ersten mal in ihrem Leben war sie auf sich allein gestellt und damit total überfordert. Sie wusste weder wo sie die Nacht verbringen sollte noch wie sie sich die nächsten Tage verstecken sollte. Hektisch glitt ihr Blick wieder zurück zur Insel, sie starrte in das blaue Meer, dem sie sich hingegeben hatte. Allein die Tatsache, das sie es überlebt hatte in ihrem Zustand an dieses Land zu kommen. Einer Prinzessin unwürdig im Dreck liegend von einem Fremden aufgefunden.
Aber Eitelkeit konnte sie sich heute nicht leisten. Nicht jetzt und vielleicht auch nie wieder. Langsam nickte sie, den Vorschlag des Schimmels annehmen, der ihr mit seinen Breiten Schultern wohl den besten Schutz bot, den es im Augenblick gab. Ich danke dir!" und wirklich war sie Dankbar dafür das der Fremde so selbstlos war, wo er Sie doch gar nicht kannte.
Die Nächste frage stach jedoch tief in ihr Gemüt und sie schüttelte entschieden den Kopf und antwortete so schnell, das es nur die Wahrheit sein konnte. "Nein, ich habe nichts getan, was mich in eine schlechtes Licht stellen würde. Eher bin ich das Opfer in dieser Misere. Mein Vater ist tot. Mein Liebster ist Tod. Meine Mutter noch immer dort in diesen Fängen und wohl bald nicht mehr die schönste sondern die geschundenste Stute in der Wüste. Es ist so furchtbar, das ich es gar niemandem erzählen will wie schwer es mir fällt mir diesen Gedanken zu leben. sie unterdrückte ein schluchzen und folgte dem Hengst, der ihr so selbstlos seine Hilfe anbot.
Er schien sich trotz ihres Zustandes darüber zu freuen sie zu sehen und sie versuchte ein Lächeln zustande bekommen. "Ich hätte mich unter anderen Vorraussetzungen wohl mehr gefreut, aber ich bin froh vor denen Hufen gelanden zu sein, Aurelius, und nicht vor denen der Falschen.
Sie schickte sich an ihren erschöpften Körper weiter zu tragen. Der Sand hier war anders, dichter und schwerer. Fast Elegant kam sie damit zurecht und mit wehendem Schweif überschritt sie die Dünen mit flottem Schritt.
Sie schwieg eine Weile, bis das Meer schließlich hinter den Dünen verschwunden war und sie besseren Halt unter den Hufen hatte.

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